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Drei-Königstreffen 2020

Wegen Krankheit konnte dieses Grußwort nicht gesprochen werden.

Liebe Ehrengäste, liebe Gäste, liebe Mitglieder!

Im Namen des Ortsverbandes der FDP Timmendorfer Strand begrüße ich Sie alle herzlich zum 3­Königstreffen 2020 hier im Seeschlösschen.

Ich kenne eine Menge Leute, die glauben, man könne über die Kontrolle der Sprache zu einer besseren Welt kommen. Genau da setzt meine Kritik an: Wenn Linke meinen, die Menschen moralisch erziehen zu müssen, sind sie auf dem Holzweg. 

Was genau haben wir unter politischer Korrektheit zu verstehen?
Sprachhygiene ist vielleicht ein zu starkes Wort, aber in jedem Fall Sprachüberwachung. Politische Korrektheit sagt: Wenn sich jemand von einer Bezeichnung gekränkt fühlen könnte, dann muss dieses Wort unbedingt vermieden werden. Das Fundament der politischen Korrektheit ist die Kränkung. 

Man könnte argumentieren, dass politische Korrektheit nur eine Form der Höflichkeit sei. Leider wird die Höflichkeit oft mit groben Mitteln durchgesetzt. Kränkung ist ein höchst subjektives Gefühl, das dazu zu berechtigen scheint, andere ausgrenzen zu dürfen. Insofern ermöglicht politische Korrektheit nicht die Debatte, sie erstickt sie. 

Was eine Kränkung ist, liegt dagegen im Auge des Betrachters. Aus dieser Unwägbarkeit wird dann die absolute Forderung, dass das Opfer immer recht hat. Wer ihm widerspricht oder das subjektive Empfinden anzweifelt, hat sich schon ins Unrecht gesetzt. Das ist eine Umdrehung der Machtverhältnisse, weil nunmehr allein das Opfer darüber entscheidet, wodurch es zum Opfer geworden ist und wie sich die Gesellschaft ihm gegenüber zu verhalten hat. 

Wie konnte das passieren? 

Der akademischen Linken sind die Arbeiter peinlich geworden, weil diese mit all den identitätspolitischen Debatten nichts anfangen können. Man muss es sich leisten können, sich über die Feinheiten der gendergerechten Sprache den Kopf zu zerbrechen. Wer bei Amazon im Lager arbeitet, der interessiert sich eher für eine gerechte Bezahlung. 

#MeToo ist ins Totalitäre abgedriftet. 

Das ist die Dialektik der Empörungsindustrie und die Schattenseite von Twitter & Co. Wenn sich die Empörung absolut setzt, weil mit ihr die größte Aufmerksamkeit erzielt wird, verhindert sie die konstruktive Debatte.

Der Status als Opfer verschafft einen machtpolitischen Vorteil. 

Meine Sorge ist, dass aggressives Moralisieren mehr Widerstand hervorruft, als es Solidarität stiftet. Am Ende sind selbst die Gutmeinenden abgestoßen, wenn ihnen gesagt wird, dass sie sich als Mann gar nicht zu #MeToo äußern dürften. Die Linke verlässt sich auf die Moral als Mittel der Erpressung. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten sollte uns eine Warnung sein, dass dies furchtbar nach hinten losgehen kann. 

Die Identitätspolitik hat zwei Seiten. Es gibt die positive Ermutigung der eigenen Gruppe, und es gibt die negative Frontstellung zur Mehrheitsgesellschaft. Dieser Doppelstandard ist nicht nur ein Angriff auf den Universalismus westlicher Demokratien, sondern er hat auch fatale Folgen für das gesellschaftliche Miteinander. So paart sich die Sensibilität, was die eigene Stigmatisierung anbelangt, mit einer enormen Aggressionsbereitschaft gegenüber allen, die als Gegner identifiziert werden. Dieses »Cry Bullying«, wie man es in den USA nennt, hat Trump plump ausgenutzt. Der Trump-Wähler sagt: »Ich bin ebenfalls eine bedrohte Identität. Ich möchte genauso geschützt werden wie die Schwulen und die Ausländer.«

Es gehört zum Wesen ideologisch motivierter Bewegungen, dass sie nicht besonders tolerant sein können.

Ich wünsche mir, dass Minderheiten wegkommen vom Opferstatus! Alles und Jedes ist Diskriminierung!!

Ich bin ein alter weißer Mann. Aber wenn ich manchmal lese, für was alte weiße Männer alles verantwortlich gemacht werden, denke ich mir schon: Das alles soll ich geschafft haben? Ich habe das Gefühl, dass wir uns auf einem völlig falschen Weg begeben, auf alle diese Identitäten immer Rücksicht nehmen zu müssen.

Wer auf Äußerungen und Witze, die ihm nicht schmecken, mit Aggressionen reagiert, sollte sich dringend das dicke Fell des Demokraten zulegen und nicht gleich schreien: Diskriminierung!

Heute sitzen zu viele Kritiker auf ihrem moralischen Thron. Eine solche Haltung nützt der Demokratie nicht. Nur weil sich vielleicht jemand nicht voll gendergerecht ausdrückt oder nicht umfassend politisch korrekt formuliert, darf er nicht gleich runtergemacht werden. Viele Menschen wollen einfach nur reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Die meisten Bürger sind nicht rassistisch oder extremistisch unterwegs. Sie haben eine Einstellung zu bestimmten Dingen, und die wollen sie in ihrer Alltagssprache artikulieren. Wir müssen lernen, wieder mehr zuzuhören und auch einmal Meinungen ernst zu nehme, die vielleicht nicht überall gleich ungeteilten Beifall finden.

Die Politische Korrektheit geht mit total auf die Nerven. Je puritanischer eine Gesellschaft sich verhält, desto gefährlicher wird es.

An die Stelle der mühsamen Bewertung von Entscheidungen tritt die schnelle moralische Empörung über die Entscheidungsträger. Kompromisse werden als Niederlage gewertet, und die, die sie ausgehandelt haben, als Verlierer. Das ist aber mit der FDP nicht zu machen. Wir sagen, was Sache ist.

Ich wünsche dem 3­Königstreffen einen guten Verlauf.

 

 

 

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