• Steine
  • Einkaufspassage an der Promenade
  • verlockende Ostsee vor Timmendorfer Strand
  • Blick von der Promenade
  • Fischerboote im Niendorfer Hafen
  • Raps im Sommer bei Timmendorfer Strand

Auch im Alter selbstbestimmt leben

Wohnen im Alter assoziieren viele Menschen mit Sonderwohnformen. Die häufigste Wohnform im Alter ist jedoch die normale Wohnung: 93 Prozent der Menschen über 65 Jahre leben im normalen Wohnbestand und nur sieben Prozent in Heimen, Betreutem Wohnen oder Altenheimen. Für den Wohnungsbau ergibt sich mit Blick auf den demographischen Wandel ein dringender Handlungsbedarf.

Die meisten Menschen wollen auch im Alter so lange wie möglich in ihren vier Wänden wohnen. 95 Prozent der Wohnungen, in denen Senioren leben, haben aber erhebliche Barrieren. Bezogen auf den gesamten Wohnungsmarkt sind nur drei Prozent der Wohnungen auf die Bedürfnisse von Menschen zugeschnitten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die FDPBundestagsfraktion setzt sich für Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen ein. Liberale Seniorenpolitik heißt, in jedem Alter selbstbestimmt leben zu können.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes lassen erwarten, dass die Lebenserwartung in Deutschland in den nächsten Jahren weiter steigen wird.

Das ist erfreulich und darauf müssen wir uns einstellen. Es kommt nicht darauf an, wie alt wir werden  sondern wie wir alt werden. Dann bietet der demographische Wandel für unsere Gesellschaft eine Fülle von Chancen für ein generationenübergreifendes Zusammenleben.

Im Koalitionsvertrag hatte die christlichliberale Koalition bereits festgelegt, ein Handlungskonzept zum demographischen Wandel vorzulegen. Unter anderem haben wir im Januar 2012 im Bundestag einen Antrag unter dem Leitthema ,,Altersbilder positiv fortentwickeln" beschlossen. Darin ist klar das Ziel formuliert, darauf hinzuwirken, dass ältere Menschen möglichst lange unter Einsatz moderner Assistenz und Hausnotrufsysteme in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben können.

Im nächsten Bundeshaushalt ist ein Ansatz von 20 Millionen Euro aus dem Programm ,,Altersgerecht Umbauen" vorgesehen.

Immer mehr Menschen benötigen barrierefreien Wohnraum

Die Anzahl der in Deutschland lebenden Menschen über 65 Jahre wird sich in 30 Jahren von rund 17 Millionen auf rund 24 Millionen erhöhen, die der Menschen über 80 Jahre von vier Millionen auf rund acht Millionen verdoppeln.

Die Anzahl derjenigen, die barrierefreien Wohnraum benötigen, wird stark anwachsen. Aber nur ca. ein Prozent des Wohnungsbestandes (ca. 0,5 Millionen Wohneinheiten) ist altersgerecht.

Die demographische Entwicklung erfordert nach einer Studie des Kuratoriums Deutsche Altershilfe Investitionen von rund 39 Milliarden Euro, um die bis 2020 gebotene Anpassung von drei Millionen Wohnungen zu erreichen.

Das Förderprogramm "Altersgerecht Umbauen" leistet einen wichtigen Beitrag dafür: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Baumaßnahmen, die zu einer Barrierereduzierung in Wohngebäuden führen.

Konkrete Aufgaben für die Kommunen

Zusammen mit dem baupolitischen Sprecher der FDPBundestagsfraktion Sebastian Körber habe ich als seniorenpolitische Sprecherin im vergangenen Jahr ein Positionspapier unter dem Motto "Heimat mit Zukunft: Barrieren abbauen, generationengerecht wohnen, Lebensqualität sichern!" erarbeitet. Im Vordergrund steht der liberale Grundsatz, dass zur Freiheit eines jeden Einzelnen gehört, sich selbstbestimmt fortbewegen zu können. In jeder Lebenssituation muss eine aktive Teilhabe am sozialen, sportlichen und kulturellen Leben und in den damit verbundenen Einrichtungen möglich sein, beispielsweise in Schulen, Sportstätten und Museen.

Ziel muss hierbei stets die Barrierefreiheit sein, wo immer dies technisch und wirtschaftlich möglich ist. Wo sich dies nicht realisieren lässt, muss ein möglichst hoher Grad an Barrierefreiheit ermöglicht werden. Dazu verpflichtet auch die 2008 angenommene UNBehindertenrechtskonvention.

In dem Positionspapier haben wir mehrere Aufgabenbereiche benannt:

Kommunen und Landkreise müssen eine Bestandsanalyse zu barrierefreiem Wohnraum anfertigen.

Barrierefreier Wohnraum muss unter Berücksichtigung der Entwicklung der Einwohnerzahl vorgehalten werden. Das ist auch ein wichtiger Standortfaktor. Es ist notwendig, den Bestand im sozialen Wohnungsbau und den öffentlichen Raum hinsichtlich der Barrierefreiheit zu bewerten.

Öffentliche Plätze und Bereiche im Innenstadt bzw. Ortskernbereich sind mit mindestens einem Durchgang barrierefrei umzugestalten, ebenso alle Bahnhöfe, Verkehrsknotenpunkte und Hauptverkehrsstraßen innerhalb eines urbanen Bereichs. Gemäß dem Grundsatz der ,,SelbstbestimmtLebenBewegung" behinderter Menschen "nothing about us  without us" (nichts über uns  ohne uns) und der UNBehindertenrechtskonvention gilt es, Menschen mit Behinderung bei öffentlichen nBauvorhaben rechtzeitig zu beteiligen. Auch die Idee "Design for All" kann wertvolle Unterstützung bieten.

Innerhalb einer Kommune sollte ein Aktionsbündnis "Barrieren abbauen" gebildet werden, das gute Lösungen, Handlungsempfehlungen und Nachrüstoptionen für Gebäude und Plätze aufzeigt. Außerdem soll es praktische Erfahrungen bei der Nutzung der Förderprogramme und der Beratungsstrukturen bei der Anpassung der Infrastruktur darlegen. Dieses Team sollte sich zusammensetzen aus Vertretern der Familien, Behinderten, Senioren und Immobilienverbände, der Politik, der kommunalen Verkehrsunternehmen, der Kirchen, der Medien, der Vereine, des Handwerks, der Industrie und aus Architekten und Planern. 

Modellvorhaben sollten Impulse geben, um mehr Eigentümer für bauliche Anpassungen der Wohnungsbestände zu interessieren. Solche Modellvorhaben können helfen, Fehler bei der Umsetzung vor Ort zu vermeiden. Der öffentlichen Hand kommt beim Barriereabbau eine Vorbildfunktion zu zunächst im baulichen Sinne, aber auch in den Köpfen.

Darüber hinaus müssen die Länderbauordnungen überprüft werden. Sie müssen auf Barrierefreiheit und armut hin evaluiert werden, ebenso wie die Baunutzungsverordnung und das Baugesetzbuch.

Mit diesen Maßnahmen wollen wir auf das Älterwerden unserer Gesellschaft reagieren  die demographischen Veränderungen sollen in den kommenden Jahren als Chance genutzt werden können.

Nicole Bracht-Bendt, in: das rathaus, Nov./Dez. 2012, S. 170f

 

zurück zur Übersicht

© 2021 CMS & Webdesign by Gutzmann GmbH | Impressum
Members of our management team: Vladimir Krkcznski, CEO, Eulalia Gutzmann, CFO, John Kontrolletti, CIO, Paul Plausi, COO, Hinnerk Armleuchter, Sales, Kain Elust, Supply Chain