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Altersgerechte Wohnungen für Rentner fehlen

Wie werden wir wohnen, wenn wir alt sind? Wird es möglich sein, in den eigenen vier Wänden zu leben? Sind die Wohnungen dafür geeignet? Und dann auch noch bezahlbar?

Nein, sagt eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts Hannover. In den nächsten Jahren fehlen für Millionen Rentner passende Wohnungen - auch in Norddeutschland.

Es werde höchste Zeit, barrierearme Wohnungen für Senioren zu schaffen, fordert Studienleiter Matthias Günther. Das Institut ermittelte die Daten im Auftrag eines Verbändebündnisses, darunter der Sozialverband VdK Deutschland, der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). 

Nach Darstellung des Autors rechnet sich der Umbau zu altersgerechten Wohnungen, vergleicht man diese Kosten mit denen stationärer Pflege. Die beteiligten Verbände fordern deshalb von der Politik, für das "Wohnen im Alter" einen Fördertopf von rund 540 Millionen Euro bereitzustellen.

In den größeren Städten Norddeutschlands explodieren die Mieten. Inzwischen haben gerade ältere Menschen Schwierigkeiten, eine bezahlbare und altengerechte Wohnung in der City zu finden.

Elisabeth Mücke aus Göttingen machte sich schon vor zehn Jahren darüber Gedanken, wie sie wohnen möchte, wenn sie älter ist. Ihr Mann war damals plötzlich an den Rollstuhl gefesselt. Das Paar verkaufte sein Reihenhaus, zog zur Tochter nach Göttingen. Hier hatten sie das Glück, eine Wohnanlage zu finden, die sich altersgerecht zugeschnitten ist. So waren beim Einzug fast alle Mieter über 65. "Hier ist der Aufzug draußen, der führt vor allem auch in den Keller. Da bin ich immer froh, dass ich mein Fahrrad runter fahren kann", sagt die Rentnerin. Alle Türen in der Wohnung sind ein Meter breit. Im Badezimmer ist Dusche ebenerdig und der Toilettensitz erhöht. Mit der Nachbarschaft hat Elisabeth Mücke viel Kontakt: "Wir haben eine gemeinsame Sitzecke, dadurch wissen wir viel voneinander. Und manchmal unternehmen wir etwas zusammen, wie zum Beispiel ein Frühstück - oder wir grillen."

Wie findet man eine bezahlbare, altersgerechte Wohnung?

Eine Wohnungssuchende ist Eva-Maria von Wildemann. Sie ist  80 Jahre alt. Ihre Kinder, die sie allein groß gezogen hat, wohnen weit weg. Die Vier-Zimmer-Wohnung ist inzwischen viel zu groß. Nach einer Hüftoperation machen ihr auch die vielen Stufen bis in den dritten Stock schwer zu schaffen. In den Kriegsjahren brach sie ihr Sprachstudium ab, sie bezieht deshalb heute nur eine kleine Rente. "Seit fünf oder sechs Jahren bin ich bemüht, eine kleinere und für meinen Geldbeutel auch erschwingliche Wohnung zu bekommen", klagt sie. Sie habe sich neulich erst mit der Wohnungsbau Göttingen unterhalten und gefragt, warum jetzt bei den Neubauten immer nur Luxuswohnungen gebaut werden.

Bislang war in der Universitätsstadt immer wieder die Wohnungsnot der Studenten ein heißes Thema. Doch dass eben auch Ältere kleinen, bezahlbaren Wohnraum brauchen, dringt offenbar erst jetzt so langsam ins Bewusstsein. Ein Göttinger Stadtsprecher erklärt, dass gute Strukturen für Ältere in den vergangenen Jahren geschaffen worden seien. Die aktuelle Studie des Pestel-Instituts sagt jedoch etwas anderes aus. Allein in Göttingen und Braunschweig werden in den kommenden Jahren über 8.000 Wohnungen fehlen. In Hamburg sind es sogar knapp 50.000. Das Institut veranschlagt für die Hansestadt für den altersgerechten Umbau ein Investitionsvolumen von 765 Millionen Euro.

Regina Meyer, Demografiebeauftragte des Landkreises Göttingen, fordert schnelle bauliche Maßnahmen. Die Wohnungen aber auch das Wohnumfeld und der öffentliche Raum müssten an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst werden. Barrieren im Haus müssten abgebaut werden. "Wir haben das von anderen Studentenstädten schon gehört. Da gibt es 'Wohnen für Hilfe'. In die Wohnungen zieht ein Student mit ein. Er zahlt verminderte Miete und macht einen Vertrag, dass er einige Stunden in der Woche den Älteren behilflich ist - sei es im Garten oder beim Einkaufen. Wir sind gespannt, ob wir das in die Wege leiten können", sagt Meyer.

Die meisten Menschen wünschen sich, so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Wichtig ist es deshalb, zum Beispiel Stolperfallen zu beseitigen. 

Die Zahl der Menschen in der Altersgruppe "65 plus" hat laut Studie seit 1991 um knapp 4,8 Millionen auf 16,9 Millionen Personen Ende 2011 zugenommen. Bundesweit werden in 20 Jahren 24 Millionen Deutsche älter als 65 Jahre sein - über 40 Prozent mehr als heute. Bei langfristig schrumpfender Gesamtbevölkerung errechnet sich ein von aktuell 34 auf 59 im Jahr 2035 steigender Altenquotient. Dieser gibt das Verhältnis der Anzahl der Menschen in der Generation "65 plus" zur Anzahl der Menschen von 20 bis 65 Jahren an. Im Klartext: Der Anteil der älteren Menschen nimmt deutlich zu. Überall im Norden steigt der Altenquotient den Berechnungen des Instituts zufolge bis 2035: In Hamburg von 29 auf 34, in Bremen von 35 auf 53, in Schleswig-Holstein von 37 auf 61, in Niedersachsen von 35 auf 60 und in Mecklenburg-Vorpommern sogar von 35 auf 85.

Nur gut fünf Prozent der rund elf Millionen Haushalte leben derzeit in weitgehend barrierearmen Wohnungen. Insgesamt muss fast ein Viertel der Seniorenhaushalte laut Studie als einkommensschwach bezeichnet werden. Unter diesen Haushalten befinden sich auch gut 0,9 Millionen Wohnungseigentümer, bei denen eine barrierearme Modernisierung kaum infrage kommen wird. Die Förderung altersgerechter Umbauten und Modernisierungen sollte deshalb nach Meinung der Studien-Autoren stark ausgeweitet werden. Auch durch mehr gemeinschaftliche Wohnformen könnten die Wohnkosten im tragbaren Rahmen gehalten werden.

Eva Werler, NDR

 

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