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Demographischer Zeitenwandel im Sport

Die Bevölkerungszahl in Deutschland schrumpft, der demographische Wandel ist in aller Munde. In aller Munde? Eher noch stiefmütterlich werden die Folgen für einen zentralen kommunalen Bereich diskutiert, und zwar für den Bereich Sport und Bewegung. Der Beitrag zeigt auf, dass hier zum Teil gravierende Folgen zu erwarten sind, aus denen sich jedoch auch Chancen für eine effektive Förderung von Sport und Bewegung ergeben können.

Der demographische Wandel, so zeigen die Untersuchungen und Prognosen u.a. des Bundesamtes für Bauwesen und Bauordnung, wird sich in Deutschland regional unterschiedlich darstellen. Auf der einen Seite gibt es wenige Metropolregionen, die weiterhin mit einem Bevölkerungswachstum rechnen dürfen. Auf der anderen Seite haben wir ganze Landstriche, die sich sukzessive entvölkern. Parallel dazu steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung an, die Anzahl der Kinder und Jugendlichen ist rückläufig, während die Anzahl der Älteren steigt. Das Altersgefüge verändert sich also in den kommenden Jahren dramatisch, unabhängig von der absoluten Anzahl der Einwohner.

Herausforderungen für die Sportvereine

Schon allein diese Tatsache stellt die Sportvereine und die Sportfachverbände vor neue Herausforderungen. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat im Jahr 2009 im Auftrag des baden-württembergischen Landessportverbandes Prognosen für die Entwicklung der Mitgliederzahlen bis zum Jahr 2030 herausgegeben. Ergebnisse dieser Vorausberechnungen sind, dass die Mitgliederzahlen bei den Kindern und Jugendlichen um 20 Prozent, bei den jungen Erwachsenen bis 27 Jahren um 18 Prozent, bei den 27- bis 40-Jährigen um elf Prozent und bei den 41- bis 65-Jährigen um 15 Prozent zurückgehen werden. Dem gegenüber ist bei den Mitgliedern über 65 Jahren eine Steigerung von 39 Prozent zu erwarten. In absoluten Zahlen bedeutet dies für Baden-Württemberg, dass die Sportvereine bis zum Jahr 2030 531.500 Mitglieder unter 65 Jahren verlieren und etwa 239.000 Mitglieder über 65 Jahren hinzugewinnen werden. Ebenfalls absolut betrachtet, werden die Sportfachverbände Turnen und Fußball am stärksten von diesem Wandel betroffen sein (Turnen - 87.700, Fußball - 82.000). In den Prognosen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg verlieren alle Sportfachverbände an Mitgliedern - mit Ausnahme der Sportart Golf.

Veränderung des Bedarfs in den Städten und Gemeinden

Was bedeutet nun der demographische Wandel für die Kommunen, wenn es um Sport und Bewegung geht? Zunächst ist festzustellen, dass alle Sportverhaltensuntersuchungen einen Wandel der Sportnachfrage dokumentieren. Sport und Bewegung fokussieren sich nicht mehr allein auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, sondern auf alle Altersgruppen. Unsere Gesellschaft altert sportlicher; es verändern sich jedoch die Sportpräferenzen mit zunehmendem Alter. Untersuchungen zeigen, dass bereits ab der Gruppe der 27- bis 40-Jährigen die Bedeutung des Wettkampfsports abnimmt und die Bedeutung von Breitensportangeboten ansteigt, beispielsweise auch Gesundheits- und Präventionssport. Die meisten Sport- und Bewegungsaktivitäten werden in der Natur oder im öffentlichen Raum durchgeführt, häufig ohne organisatorische Anbindung an einen Sportverein.

Für Kommunen können bereits daraus einige Folgerungen abgeleitet werden: Zum einen  werden  in  Zukunft  wettkampfgerechte Sportanlagen an Bedeutung verlieren und so genannte regeloffene Sportanlagen an Bedeutung gewinnen, beispielsweise Lauf- und Radwege, Freizeitspielfelder im Freien und Gymnastikräume. Aber auch in Zukunft wird es einen Bedarf an wettkampfgerechten Sportanlagen geben, sei es für den Schulsport oder für den Wettkampfsport der Sportvereine. Nur das Mengengerüst, um in der Sprache der Techniker und Ingenieure zu sprechen, wird sich verringern.

Multifunktionale kommunale Sportstätten

Die zukünftige kommunale Sportstättenstruktur muss daher verstärkt Aspekte einer multifunktionalen und nachhaltigen Nutzung von Flächen und Räumen aufweisen. Es besteht Einigkeit darüber, dass kleinere und gut ausgestattete Räume (z.B. mit einer Spiegelwand und einer Musikanlage) in den kommenden Jahren verstärkt nachgefragt werden, die beispielsweise für Ballettunterricht wie auch für Fitness- und Seniorensport geeignet sind.

Daneben sind aber auch Tendenzen erkennbar, das Komfortniveau in bestimmten Bereichen abzusenken. Beispielsweise entstehen im Süden der Republik immer mehr Kalthallen, die insbesondere für Fußballsport im Winter genutzt werden. Diese Kalthallen werden nicht beheizt und können mit niedrigem baulichen Aufwand erstellt werden. Sie haben geringe Betriebskosten und können somit herkömmliche Sporthallen entlasten.

Aufgabe und Nutzen der Sportentwicklungsplanung

Welche konkrete Ausstattung mit Sport- und Bewegungsräumen eine Kommune in Zukunft benötigt, kann über eine Sportentwicklungsplanung für einen Zeitraum von ca. 15 Jahren relativ präzise ermittelt werden. Sportentwicklungsplanungen bieten sich für alle Kommunen an, unabhängig von der Einwohnerzahl. Die Frage nach einer ausreichenden und bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung mit Sport- und Bewegungsräumen stellt sich sowohl in der kleinen Gemeinde mit 5.000 Einwohnern als auch in Großstädten mit mehreren hunderttausend Einwohnern. Unterschiedlich ist jedoch der methodische Aufwand, der betrieben werden muss, um zu belastbaren Aussagen zu kommen. Für Städte ab ca. 25.000 Einwohner bietet eine Bevölkerungsbefragung zum Sportverhalten und einer daraus ableitbaren rechnerischen Bilanzierung eine gute Möglichkeit, Aussagen zum aktuellen und prognostizierten Bedarf an Sportstätten treffen zu können. In Städten und Gemeinden mit weniger als 25.000 Einwohnern können solche Aussagen ebenfalls getroffen werden, jedoch ohne den zeitlichen und finanziellen Aufwand repräsentativer Bevölkerungsbefragungen.

Motivation für Anpassungsprozesse

Thematisch beschäftigt sich eine Sportentwicklungsplanung nicht nur mit dem Bedarf an Sportstätten für den Schul- und Vereinssport, sondern ist vielschichtiger. Fragen der Angebots- und Organisationsentwicklung sind dabei gleichrangig zu behandeln. In Kommunen, die vom demographischen Wandel besonders betroffen sind, wird sicherlich über die Notwendigkeit der Umnutzung oder des Rückbaus von Sportanlagen zu diskutieren sein. Aufgabe einer Sportentwicklungsplanung ist es daher, gegebenenfalls über die Bündelung und Zentralisierung des vereinsbetriebenen Sports Auskunft zu geben, beispielsweise im Fußballbereich. Diese Diskussionen gestalten sich nicht immer einfach, da die Einsicht der Akteure, Veränderungen und Anpassungen vorzunehmen, zu Beginn eines Planungsprozesses meist nicht besonders stark ausgeprägt ist. Im Laufe einer Sportentwicklungsplanung, die auch zum Ziel hat, Daten und Informationen wertneutral zur Verfügung zu stellen, wächst aber oft die Bereitschaft, notwendige Anpassungsprozesse aktiv zu begleiten. Auch kontroverse Themen wie die Bündelung von Sportplätzen können so mit einer neutralen und externen fachlichen Begleitung behandelt werden.

Anpassung der Sportangebote

Aus Sicht der Sportvereine birgt der demographische Wandel Risiken - insbesondere bei einer starken wettkampfsportlichen Ausrichtung. Er eröffnet aber auch Chancen. Gerade die große Nachfrage nach Kursangeboten im Gesundheits-, Fitness- und Seniorensportbereich führt bei vielen Vereinen zu einer Anpassung der Angebotsstruktur und zu einer Sicherung des Sportbetriebs jenseits der kommunalen Sportanlagen. Entweder werden von einem Verein Kursräume angemietet oder gleich eigene Sportvereins- oder Gesundheitssportzentren realisiert. Durch die Generierung von Erlösen profitiert der gesamte Verein, weil damit die oftmals rückläufigen kommunalen Sportfördermittel kompensiert werden können. Die Errichtung eigener Sportanlagen erfordert jedoch eine gewisse Mitgliederzahl, was wiederum durch die Kooperation mit anderen Vereinen ermöglicht werden kann.

Fazit: Planung mit allen Akteuren des Sports

Zusammenfassend bleibt festzuhalten:

1. Die Diskussion um den demographischen Wandel muss jeweils orts- oder lokalspezifisch geführt werden.

2. In der Regel wird es notwendig sein, die bestmögliche Relation von Bedarf und Bestand an Sportanlagen zu erzielen.

3. Die Weiterentwicklung der Sportstätten wird sich oftmals im Bestand ergeben, ein Ausbau der Kapazitäten wird nur punktuell erforderlich sein. Vielmehr wird die Frage im Vordergrund stehen, ob bestimmte Sportanlagen gebündelt und im Gegenzug andere Sporträume angeboten und gefördert werden, die eher dem Bedarf der Bevölkerung entsprechen.

4. Für die Sportvereine, die oftmals den demographischen Wandel noch unterschätzen, ergibt sich die Notwendigkeit der Anpassung der Angebote. Dadurch können sich Chancen eröffnen.

 

Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung sind gut beraten, dem demographischen Wandel zielführend zu begegnen, indem sie einen kommunalen Sportentwicklungsplan erarbeiten. Dabei hat es sich bewährt, die lokalen Akteure des Sports in die Planung einzubeziehen, damit realistische und breit akzeptierte Lösungen erzielt werden können. Die nachhaltige Förderung von Sport und Bewegung kann auch in Zeiten des demographischen Umbruchs gelingen.

 

Dr. Stefan Eckl ist Geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps). www.kooperative-planung.de, in: das rathaus, Heft 4, S. 113f

 

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