• Einkaufspassage an der Promenade
  • verlockende Ostsee vor Timmendorfer Strand
  • Niendorfer Hafen
  • Blick von der Promenade
  • Steine
  • Raps im Sommer bei Timmendorfer Strand

Über eine aussterbende Spezies: den faulen Schüler!

Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass es kaum mehr faule Schülerinnen und Schüler gibt? Zumindest in der bildungspolitischen und in der bildungswissenschaftlichen Debatte kommen sie auf jeden Fall nicht mehr vor.

Wenn ein Jugendlicher seine Hausaufgaben nicht macht, sich in der Schule nicht anstrengt, kaum mitarbeitet und ständig unvorbereitet in den Unterricht kommt, kann dies viele Ursachen haben – Faulheit jedoch, also die bewusste Entscheidung eines Individuums, statt mühseligen Vokabellernens lieber etwas Angenehmeres zu tun – die zählt offensichtlich nicht mehr dazu.

Der Geschäftsführer des Deutschen Zentrums für Begabungsforschung und Begabtenförderung (DZBF) hat es kürzlich so ausgedrückt: »Es gibt keine faulen Schüler. Das Wort ‘faul’ dürfen wir nicht mehr verwenden. …« Begründet wird dies damit, dass durch den Begriff ‘Faulheit’ dem Schüler eine persönliche, eine moralische Schuld unterstellt, ihm das Stigma des Böswilligen zugeschoben werde, was demotivierend und nicht hilfreich sei.

Wenn also Faulheit, das bewusste schulische Nichtengagement als Ursache absinkender Leistungen ausscheidet, was bleibt dann übrig?

Klar, fehlende Fördermöglichkeiten, zur Schülermotivation unfähige Lehrer, lebensfremde Unterrichtsgegenstände, überfrachtete Lehrpläne, Frontalunterricht, veraltete Lehrmethoden – wir kennen das alles aus den schulpolitischen Debatten, die landauf landab geführt werden. Gemeinsam ist diesen Debatten, dass die Eigenverantwortlichkeit des Schülers für seinen Bildungsprozess bis auf null heruntergefahren und stattdessen auf ein Eingriffsinstrumentarium von Fördermaßnahmen gesetzt wird, wobei die Verantwortung für eventuelle Misserfolge dieser Maßnahmen immer am Lehrer oder am System haften bleibt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Es geht nicht darum, als Hauptursache von Bildungsdefiziten faule Schüler zu identifizieren. Erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen wissen natürlich, dass hinter dem Desinteresse bis hin zur Arbeitsverweigerung von Schülern viele Ursachen stecken können. Und selbstverständlich ist es wichtig und richtig, im Unterricht bei den Stärken von Jugendlichen anzusetzen.

Erfolgreiche Bildungsprozesse setzen aber auch voraus, dass es zumindest ab einem gewissen Alter ein gewisses Maß an Eigenverantwortung eines Jugendlichen für seinen Schulerfolg gibt. Intensivierungsstunden, Zusatzkurse, Förderangebote sind gut und richtig. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn da auch jemand beteiligt ist, der diese Förderung aufnimmt und aktiv nutzt. Ein fauler Schüler ist kein schlechter Mensch, dahinter kann ein ganz rationales Kalkül, kann auch eine Protesthaltung stecken, was vielleicht tatsächlich (kurzfristig) mehr Lebensqualität sichert. Aber es gehört zum Leben dazu, dass man dann auch die Konsequenzen dafür tragen muss.

Nebenbei bemerkt: Vollkommen ‘politically incorrect’ ist es natürlich, als Ursache von schulischem Misserfolg statt Faulheit Überforderung, Unvermögen vulgo Dummheit anzugeben. Denn spätestens seit Gerald Hüther wissen wir ja, dass jedes Kind hochbegabt ist und Überforderung nie beim Kind, sondern immer beim Schulbetrieb anzusiedeln ist.

Dies führt dann in der (rot-grün gefärbten) Bildungspolitik zu solchen Auflagen, dass ein Gymnasium jeden Schüler, den es aufnimmt, auch zu dem jeweiligen Abschluss zu führen hat.

Doch lassen wir zur Ehrenrettung der Faulheit zum Schluss noch Manfred Hausmann zu Wort kommen: »Ohne Faulheit kein Fortschritt! Weil der Mensch zu faul war, zu rudern, erfand er das Dampfschiff. Weil er zu faul war, zu Fuß zu gehen, erfand er das Auto. Weil er zu faul war, abends die Augen zuzumachen, erfand er das Fernsehen!«

Was lernen wir daraus: Es ist unschädlich, ab und an körperlich faul zu sein, aber nie im Kopf.

Heinz-Peter Meidinger in: Profil 6/2015, S.3

 

zurück zur Übersicht

© 2021 CMS & Webdesign by Gutzmann GmbH | Impressum
Members of our management team: Vladimir Krkcznski, CEO, Eulalia Gutzmann, CFO, John Kontrolletti, CIO, Paul Plausi, COO, Hinnerk Armleuchter, Sales, Kain Elust, Supply Chain