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Wenn Prüfungen immer leichter werden …

Vor kurzem erlangten die ‘Schriftlichen Prüfungsarbeiten zum mittleren Schulabschluss 2016’ im Fach Mathematik für Berlin und Brandenburg einen bemerkenswerten medialen Bekanntheitsgrad.

Mathematiklehrkräfte aus diesen beiden Ländern staunten nicht schlecht, als sie die Häufung einfacher und einfachster Klausurfragen beim Öffnen der Aufgaben bemerkten. Bei einem Abgleich mit den Prüfungsaufgaben zur Mittleren Reife in anderen Bundesländer und früheren Aufgabenformaten wurde schnell klar, dass eine Vielzahl von Aufgaben statt dem Niveau der 10. Jahrgangsstufe dem der 7. Jahrgangsstufe entsprach. Einzelne Aufgaben hatten sogar nur Grundschulniveau, wie etwa die Frage, was die größtmögliche dreistellige Zahl sei, die man aus den Zahlen 2, 3 und 6 bilden könne.

Das war aber kein Ausreißer nach unten. So konnte man als Schüler schon dadurch punkten, dass man bei zwei vorgezeichneten Graphen erkannte, welcher steigend und welcher fallend war oder indem man aus vorgezeichneten Diagrammen nur die klar erkennbaren, angegebenen Zahlenwerte herausschrieb, frei nach dem Motto: Wer sehen und lesen kann, ist klar im Vorteil!
Die Erfolgsmeldungen der Politik folgten auf dem Fuß. Im Vergleich zu 2015 halbierte sich prompt die Anzahl der Fünfen und Sechsen. Auch die Zahl der Schüler, die Berliner Schulen ohne Abschluss verließen, konnte drastisch gesenkt werden. Die zuständige Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) verteidigte übrigens die Verwendung von Aufgaben auf Grundschulniveau mit dem Argument, dadurch könnten ‘Denkblockaden’ bei den Schülern verhindert werden. Aber auch beim Abitur konnte das Potsdamer Bildungsministerium Erfreuliches vermelden: »In diesem Jahr haben mit 231 so viele Mädchen und Jungs ein 1,0-Abitur gemacht wie nie zuvor. Das ist eine hervorragende Leistung!« Ganz ähnlich klingt die Siegesmeldung aus Sachsen-Anhalt 2016. Die Bildungsstaatssekretärin (CDU) freute sich beim Abi-Durchschnitt über den »besten Wert seit zehn Jahren«. Nichtsdestotrotz plant das dortige Schulministerium für das nächste Jahr weitere Erleichterungen. So sollen Schüler das Abi in Sachsen-Anhalt künftig auch dann bestehen können, wenn sie Prüfungen mit null Punkten abschließen.
In das allgemeine Loblied über immer bessere Noten stimmte allerdings ausgerechnet der Landesschülerrat des Landes Mecklenburg-Vorpommern nicht ein. Er wies darauf hin, dass die auch in diesem Bundesland immer besseren Abiturnoten mehr mit veränderten Benotungsmaßstäben und abgesenkten inhaltlichen Anforderungen zu tun hätten als mit besseren Leistungen und trübte dadurch die ansonsten von der Bildungspolitik entfachte euphorische Stimmung über immer bessere Noten.
Man konnte in diesem Jahr fast den Eindruck erhalten, dass es inzwischen einen Wettlauf um immer bessere Ergebnisse bei Abschlussprüfungen, immer weniger Sitzenbleiber, immer weniger Schulabbrecher und immer mehr Bestnotenergebnisse gibt, dem sich nur wenige Bundesländer entziehen.
Das alles wäre ja begrüßenswert, wenn es ein Wettbewerb der Leistungen und nicht ein vordergründiger Wettbewerb der Zertifikate und Noten wäre. Falls nämlich – bezogen auf das Abitur – Studienberechtigung und Studienbefähigung immer weiter auseinanderklaffen, droht genauso wie beim Eingangsbeispiel der Mittleren Reife eine zunehmende Entwertung von Abschlüssen. Und die schadet letztendlich allen, am meisten jedoch den betroffenen Jugendlichen selbst.

Heinz-Peter Meidinger in: Profil 07-08/2016, S. 3

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