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DEFINITIONSSACHE ARMUT

In der Fernsehserie „Der ganz normale Wahnsinn" des kürzlich verstorbenen Regisseurs und Autors Helmut Dietl (Monaco Franze, Schtonk, Rossini) arbeitet der chaotische Journalist Maximilian Glanz an seinem Buch mit dem nicht ganz eingängigen Titel „Woran es liegt, dass der Einzelne sich nicht wohlfühlt, obwohl es uns allen doch so gut geht". Was mag der Grund sein? Zum Beispiel die grassierende Armutsgefährdung? Wer die Medien verfolgt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Armut ein zentrales Problem in Deutschland ist - obwohl es „uns allen" doch so gut geht. Die Armutsdebatte ist schon deshalb ein vertracktes Ding, weil jeder etwas anderes unter Armut versteht. Wir haben uns ein paar Indikatoren näher angesehen.

Armut - gefühlt, gemessen, geschätzt

Armut ist zunächst einmal vor allem eine Definitionssache. Man könnte unter vielen Experten noch Einigkeit erzielen, wenn man Armut als „Zustand gravierender sozialer Benachteiligung" erklärt - für einen Statistiker ist das jedoch zu vage.

Die Bundesbürger definieren Armut sowieso ganz anders, wie das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik 2011 in einer Umfrage herausgefunden hat.

Hauptanzeichen für Armut sind danach:

Einschränkungen bei grundsätzlichen Dingen des Lebens (45 %)

Angewiesen auf Wohlfahrtsorganisation/staatl. Unterstützung (21 %)

Begrenzte finanzielle Mittel (15 %)

Einkommen unter 950 Euro/Monat (8 %)

Sehr niedriger sozialer Status (5%)

Andere Aussagen (6 %)

 

Eine von der Weltbank benutzte Größe ist der Anteil der Menschen, die von weniger als 1,25 US-Dollar leben müssen (die Preisentwicklung ist berücksichtigt). Geht man nach diesem absoluten Armutsbegriff, so ist Armut weltweit deutlich zurückgegangen.

Nach dieser Definition wäre Armut in Deutschland j schon lange kein Thema mehr. Dass wir so häufig über Armut in Deutschland sprechen, liegt an der sogenannten „Armutsrisikoquote", die sich hierzulande in den Medien durchgesetzt hat und die tatsächlich nur Einkommensungleichheit misst.

Armut hängt vom Nachbarn ab

„Relative Armut" bedeutet Armut im Vergleich zum jeweiligen sozialen Umfeld eines Menschen. In diesem Zusammenhang bezieht sich relative Armut auf verschiedene statistische Maßzahlen für eine Gesellschaft, zum Beispiel auf den Mittelwert des Einkommens. Betrachtet man die gesamte Bevölkerung in Deutschland, so betrug 2009 der Mittelwert des Einkommens 18.797 Euro pro Person. Davon leitet sich die sogenannte Armutsgefährdungsquote ab. Sie gibt den Anteil der Bevölkerung an, der über weniger als 60 Prozent des Einkommensmittelwerts der Gesamtbevölkerung des jeweiligen Landes verfügt. Der Schwellenwert für Armutsgefährdung betrug danach 2009 in Deutschland 11.278 Euro. Würde man als „soziales Umfeld" nur Ihre Straße betrachten, so könnten Sie als Durchschnittsverdiener an dem Tag armutsgefährdet werden, an dem ein Einkommensmillionär in Ihr Nachbarhaus zieht.

So kann es dazu kommen, dass sich bei sinkender Arbeitslosigkeit die Zahl der armutsgefährdeten Menschen erhöht.

Good news are bad news

Folgendes Experiment: Stellen Sie sich vor, Ihr Einkommen liegt heute genau auf dem beschriebenen Schwellenwert und Ihr Arbeitgeber gleicht Ihnen in den kommenden Jahren den Kaufkraftverlust exakt aus. Während Sie also Ihren Lebensstandard halten, können äußere Faktoren dafür sorgen, dass Sie die Grenze zur Armutsgefährdung unterschreiten. Die Nachrichten werden Sie dann womöglich mit anderen Augen sehen. Folgende Meldungen der Tagesschau dürften Ihnen missfallen, weil sie dadurch zu einem armutsgefährdeten Menschen werden:

» Die Zahl der Arbeitslosen ist durch Aufschwung und Neueinstellungen gesunken.

» Der Spitzensteuersatz wurde gesenkt.

» In anderen Branchen als der Ihren gab es überdurchschnittlich gute Tarifabschlüsse.

All diese Faktoren lassen Sie - im Vergleich zu den anderen - ärmer werden.

Wenn die Nachrichten dagegen Folgendes vermelden, entfernen Sie sich vom Schwellenwert der Armutsgefährdung und wandern in den grünen Bereich:

» Eine Rezession greift um sich, es gibt Massenentlassungen. 

» Es gibt vor allem Armutseinwanderung nach Deutschland. 

» Die fast immer armutsgefährdeten Studenten studieren immer länger.

Umverteilung als Patentrezept?

Daraus ergibt sich: Wirtschaftswachstum wirkt sich nur dann positiv auf die Quote der Armutsgefährdung aus, wenn es zum größten Teil unterhalb dieser Schwelle ankommt. Ist das nicht so, steigt der Teil der Armutsgefährdeten - selbst dann, wenn sie durch das Wirtschaftswachstum Einkommensvorteile erzielen. Diese Definition ist daher, obwohl sie sperrig ist, bei allen beliebt, die sich Umverteilung auf die Fahnen geschrieben haben. Von den Medien wird die Schwelle zur Armutsgefährdung oft mit der Schwelle zur „strengen Armut" verwechselt, die bei 40 Prozent liegt. Der relative Armutsbegriff krankt überdies daran, dass er Vermögen außer Acht lässt. Denn jeder sechste einkommensarme Erwachsene besitze Vermögen in Form von Aktien, Sparbüchern oder Immobilien, um davon mindestens zehn Jahre leben zu können, erklärt das Institut der deutschen Wirtschaft.

Selbst Anhänger des relativen Armutsbegriffs müssen konstatieren: In Deutschland wird bereits kräftig umverteilt. Anders als in anderen Ländern erhalten die untersten zehn Prozent der Bevölkerung zunehmend mehr vom Kuchen (+ 0,8 %), anders die obersten zehn Prozent (-1,7 %)

Und so befürworten die Forscher des Internationalen Währungsfonds, eigentlich Anhänger einer stärkeren Umverteilung, für Deutschland keine weitere Umverteilung. Wo schon viel Geld umverteilt werde, brächten zusätzliche Steuern und Sozialleistungen nicht unbedingt Wachstum. Deutschland gehöre aber schon jetzt zu den größten Umverteilem der Welt.

 

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